Stürfiser Lied

Elli und Oswald  oder
das Brautpaar von Stürfis

Kennt ihr des Falknis Höhn
In Rätiens Alpenland
Die Winde wild umwehn
Die schroffe Felsenwand

Dort oben wo man findet
Noch eines Dörfleins Spur
War Stürfis einst gegründet
Auf einer Alpenflur

Von dort erklingt die Kunde
Von einem holden Paar
Das wohl zum schönsten Bunde
Durch Gott vermählet war

Und fängt es an zu dunkeln
Nach wonnigem Alpenglühn
Wenn schweigend Sterne funkeln
Er eilt zu Elli hin

Kann mir der Vater wehren
Dass ich Dich lieb oh Maid
Auch Armut wird er ehren
Sonst trüg ich Herzeleid

Mein Herz es war verblendet
Zu wehren Dir die Lieb
Der einst von mir gewendet
Im Feld den Todeshieb

Der einst für mich gestorben
Die Waise blieb zurück
Um die hast du geworben
Der Himmel geb euch Glück

O lass mich eilends schreiten
Den Bergespfad hinan
Die Hochzeit zu bereiten
Ich sag es Elli an

In dunkle Wolken hüllet
Sich dort des Falknis Kron
Der Wettervogel schrillert
Der Abend dämmert schon

Ach Mutter möchte fliehn
Wie wird mir weh und bang
Lass mich entgegen ziehn
Wie zögert er so lang

Ach Kind die Sterne schwinden
Schon wetterts gar zu sehr
Du kannst den Weg nicht finden
Die Nacht ist schwarz und schwer

Des Schnees Wirbel sausen
Ihr wütend in’s Gesicht
Sie ruft ihm und das Brausen
Des Sturmes löscht ihr Licht

O weh die Knie sinken
Sie sinkt an einen Stein
Das Haupt in Ihrer Linken
Ruth sie und schlummert ein

Da ruht in Todesschlummer
Er oben an dem Stein
Und sie befreit von Kummer
Schläft unten hold und rein